Das Märchen von der selbstverständlichen Mutterliebe

Saskia und ihre Mutter

Saskia ist 43. Als ihre Mum 70 wird, hilft Saskia bei den Vorbereitungen, kocht und backt wie verrückt, so wie sie immer wieder mit viel Energie versucht, ihrer Mutter ein dankbares, anerkennendes Wort zu entlocken. Und wie reagiert die Mutter? „Zieh dir aber zur Feier bitte etwas Ordentliches an, wo du nicht ganz so dick aussiehst.“

In ihrer Ehe ist Saskia schon länger nicht glücklich – und ihr Mann offenbar genauso wenig. Als sie von seiner Affäre hört und dies ihrer Mutter erzählt, reagiert diese mit: „Du bist fett, hässlich, umsorgst deinen Mann nicht genug – deshalb die Affäre.“

Während der Suche nach einer eigenen männlichen Ablenkung bekommt Saskia von ihrer Mum zu hören: „So wie du aussiehst, nimmt dich kein Mann. Du musst abnehmen.“

Als Saskia 20 kg weniger wiegt, sagt ihre Mutter: „Du solltest aufhören, du siehst langsam faltig aus.“

Wie beim Hasen und dem Igel jagt Saskia erfolglos einem Satz ihrer Mutter hinterher, welcher ihr sagt: „Du bist mir nicht egal.“ Also überwindet sie sich auch an jedem Muttertag, das Haus dieser Frau zu betreten. Die fehlende Anerkennung zeitlebens hat bei ihr die üblichen Folgen: fehlendes Selbstbewusstsein, Depressionen, händeringende Suche nach jemandem, der ihr Ego streichelt, Beziehungsprobleme, Affäre, Flucht vor Problemen, in ihrem Fall in Esoterik, neuerdings verstärkte Panikattacken, die sich über Tage erstrecken können.

Während sie ihre Mutter als sehr grimmig und böse bezeichnet, sieht sie in ihrem Vater den lebenslustigen, fröhlichen Menschentyp, der auch sie selbst im Grunde ist. Vor Saskias Geburt hatte er allerdings eine Affäre – mit einer Saskia. Es fällt schwer zu glauben, dass seine später geborene Tochter per Zufall den gleichen Namen bekam. Jahre nach der Geburt erfuhr die Mutter von der Affäre ihres Mannes und auch vom Namen der einstigen Kontrahentin. Saskias Aktien stiegen ab dem Moment sicher nicht. Nur wird dies nicht der einzige Grund für das eisige Verhalten der Mutter gegenüber ihrer Tochter sein.

Und so gibt auch in dieser Familie eine Generation der anderen ihre Probleme weiter. Saskias Mutter ist sicher nicht grundlos so frei von Einfühlungsvermögen und auch Saskias Kinder werden mit einem schweren Rucksack das immer wieder von Streit und menschlichem Chaos erfüllte Elternhaus verlassen.

Keine Gewalt!

Wenn man nach dem Bild geht, das über Medien und z.B. Opferschutzverbände veröffentlicht wird, dann steht fest: Gewalt ist weitgehend männlich. Ja, da gibt es die ein oder andere Frau, die auch mal in den Schlagzeilen auftaucht, weil sie ihr Kind misshandelt hat. Aber ansonsten sind wir darauf geeicht, dass Frauen und Kinder vor Männern geschützt werden müssen.

Saskias Mutter wird in keiner Statistik auftauchen zum Thema Gewalt. Doch was sie über all die Jahrzehnte angerichtet hat bei ihrer Tochter, unterscheidet sich in den Auswirkungen nicht wirklich von Schlägen. Ob ich ein Kind regelmäßig ins Gesicht schlage oder ob ich ihm „einfach nur“ die Anerkennung für sein Dasein abspreche – das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich: Das Selbstbewusstsein kann nie gesund wachsen und aus dem Opfer wird selbst ein Täter – Täter an anderen und/oder Täter an sich selbst.

Bettina

Bettina, heute 49, zog mit 18 aus, weil sie von den Eltern kontrolliert wurde. Vom alkoholkranken Vater wurde sie geschlagen. Um dem zu entkommen, wollte sie sich irgendeinen Mann suchen und ein Kind bekommen – „… und ich Dumme hab es so gemacht.“ Mit 20 wurde sie Mutter, mit 22 folgte das zweite Kind. Inzwischen lebt sie seit 30 Jahren mit dem Mann, ist verheiratet. Sie liebt ihn nicht, hat keinerlei Gefühle gegenüber ihm, sieht es als Zweckgemeinschaft. Er ist Alkoholiker und schlägt sie immer wieder, mindestens eine Platzwunde war die sichtbarste Folge. Bettina lebt also seit 30 Jahren in genau der Atmosphäre, der sie mit 18 entkommen wollte dank irgendeines Mannes.

Als sie sich trennen wollte, waren ihre Eltern dagegen. Sie sagten, sie würden auf seiner Seite stehen, sollte die Trennung kommen. Sie hätte dann auch kein Recht mehr, die Kinder zu sehen, dafür würden sie sorgen, denn in ihrer Familie gäbe es keine Scheidung, so etwas macht man nicht. Als sie zu ihrer Mutter sagte: „Aber der schlägt mich!“, kam von der Mutter: „Na dein Vater hat mich auch geschlagen und ich habe das überlebt.“ Die Mutter ist inzwischen 85 und hat ihre Tochter nach wie vor voll im Griff. Arzttermine hat Bettina abzusagen, wenn sie die Mutter besuchen soll. Und die 49-Jährige folgt brav. Als Kind gab es immer wieder Liebesentzug, auch wenn sich Bettina völlig normal verhielt. Es konnte passieren, dass sie für eine komplette Woche ignoriert wurde. Was sie in ihrem Leben alles durchgemacht hat, sieht man ihr heute überhaupt nicht an. Sie könnte dir auf der Straße begegnen und du würdest nichts ahnen – so wie bei den meisten.

Nein, das sind keine Einzelfälle!

Bevor ich ab 2011 unfreiwillig anfing, solche Geschichten zu sammeln, hatte ich das gleiche Bild wie so viele: Frauen sind von Natur aus gute Mütter. Meine eigenen Eltern waren das beste Beispiel für die klare Rollenverteilung: Mein Vater bestimmte, was in der Familie passiert und hielt meine Mum und seine Kinder klein.

Je mehr Geschichten ich sammelte, desto weiter weg rückte das Bild von der selbstverständlichen Mutterliebe. Nein, da ist kein Gen in Frauen, die sie davon abhalten, genauso zum Gift für ihre Kinder werden zu können wie Männer. Männliche Gewalt mag sichtbarer sein, weibliche Gewalt spielt sich oft subtil ab, siehe die Geschichten von Saskia und Bettina.

Kinder kriegen – der Anfang vom Ende

„Meine Mum hatte einfach die Pille abgesetzt und meinen Vater vor vollendete Tatsachen gestellt – kein schönes Gefühl, auf diese Weise gezeugt worden zu sein.“ Das sagte mir eine Frau Anfang 30 mit hängendem Kopf, die alles daran setzt, doch noch die Anerkennung ihrer Mutter zu bekommen – wie so viele. Wenn die Mutter krank ist, schneidet ihre Tochter ihr das Obst. Wenn die Tochter krank ist, juckt das ihre Mutter nicht wirklich.

Eigene Kinder wollte die Tochter nicht, sie konnte schon das Geschrei ihres Bruders als Baby nicht ertragen. Ein Kind würde sie nehmen zwischen 5 Jahren und dem Beginn der Pubertät, da seien sie niedlich und pflegeleicht. Aber die Gesellschaft – und die Familie – würden halt von einer Frau erwarten, dass sie Kinder bekommt.

Inzwischen hat sie ein Kind. Über den Vater sagte sie zwei Jahre zuvor, er sei dumm und habe keinen Ehrgeiz. Als Kumpel sei er okay, aber als Partner?! Niemals!

Eine Frau, die damit hadert, auf wenig liebevolle Weise gezeugt worden zu sein, zeugt ein Kind auf wenig liebevolle Weise. Das Kind wächst nun bei einer Mutter auf, die sich selbst als bipolar und narzisstisch bezeichnet.

Es ist beileibe nicht die einzige Geschichte in meiner Sammlung und in meinem Buch, in welcher ein Kind in die Welt gesetzt wurde aus purem Egoismus. Keine der Geschichten hat ein Happy End für das so gezeugte Kind. Eine Generation gibt seine „Special Effects“ an die nächste weiter und niemand lernt aus der eigenen Geschichte. Und wenn einer daraus lernt so wie mein Ex-Mitschüler Ulli, dann wird auch das von weiblichem Egoismus, Narzissmus oder anderweitigen Persönlichkeitsstörungen sabotiert, siehe der Artikel „Gendern & Co. – Teil 2: Von #MeToo und Krankenhäuser sind Hurenhäuser“.

Können wir es uns leisten, darüber zu sprechen? Können wir Mütter von den Sockeln holen mit dem Ziel, dass Söhne UND Töchter in Zukunft mehr Chancen haben, psychisch gesund aufzuwachsen? Oder baden wir uns weiter im politisch vermeintlich Korrektsein und jagen dadurch unaufhörlich unsere Kinder aus dem Elternhaus in die Psychiatrie, wo niemand verhindern kann, dass sie zum Gift eigener Kinder werden?

Das Ende für Mutter- und Vatertag

Wir sind großartig darin, Zeichen zu setzen – wenig Aufwand, viel Aufmerksamkeit, geringer Nutzen. Lasst uns Mutter- und Vatertag abschaffen, also das pauschale Abfeiern von Müttern und Vätern. Wenn mindestens knapp 30% unserer Kinder psychisch krank das Elternhaus verlassen, dann verbietet sich diese pauschale Huldigung, denn jede psychische Erkrankung hat ihre Wiege im Kinderzimmer. Wer hinter die Gardinen schaut, wird sehen, dass in den anderen 70% nichts pauschal heil ist. Weder Saskia noch Bettina taucht in irgendeiner Statistik auf – aber ihre Geschichten sind Realität.

In 18 Stunden verstehst Du diese irre Welt.

Wer Menschen verstehen will, muss ihnen zuhören, sie beobachten, hinter die Fassade schauen: Warum heiraten wir? Sind Frauen von Natur aus gute Mütter? Was erlebt man bei der Partnersuche? Wem verdanken Elon Musk und Kanye West ihre Erfolge? Was treibt andere Prominente an – und was ist dein eigener Antrieb? Fallen psychische Erkrankungen vom Himmel? Warum steht jemand 5 Stunden unter der Dusche? Wieso glaubt Käpt´n Crazy, die Chinesen würden kommen? Sind Krankenhäuser tatsächlich Hurenhäuser? Warum verheimlicht eine 50-Jährige, dass ihr Vater soff?

Mit den Antworten auf diese Fragen wird unerklärliches Verhalten entzaubert. Kein Hashtag, kein Gendern und keine Kampagne wird diese Welt retten können. Erst wenn wir einsehen, wie wir ticken, kann sich etwas verändern. Komm mit auf eine Reise, die Dich verändern wird!

Das Buch gibt es bei bod.de, Du kannst aber auch beim Buchhändler um die Ecke danach fragen.

Noch viel mehr Lesestoff findest Du hier:

Verrückt – Das Interview

Verrückt – Das Interview

Frage: Was muss passieren, damit diese Welt weniger verrückt ist? Antwort: Wir müssen zuhören lernen. Oder wir verbieten das Kinderkriegen.

#verrückt: Von Opfern und Tätern

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Jochen wäre fast ertrunken, der Vater zerrte ihn wieder ins Wasser. Opfer und Täter, weiß und schwarz. Doch ist es wirklich so einfach?

#MeineStimmeGegenIgnoranz

#MeineStimmegegenIgnoranz – leise Version
MeineStimmegegenIgnoranz – laute Version

1,9 Millionen unserer erwachsen gewordenen Kinder verlassen offiziell psychisch kaputt ihr Elternhaus – und es ist uns egal. 28% der Erwachsenen insgesamt gelten als psychisch erkrankt – und es ist kein Thema. Die Gründe für diese Zahlen erklären aber, was mit dieser Welt nicht stimmt. Deshalb braucht das Thema psychische Gesundheit endlich maximale Aufmerksamkeit. Ich wäre Dir wirklich dankbar, wenn Du mit auf die Pauke hauen würdest, denn allein packe ich es nicht. Auch wenn du „nur“ Teil des Chors sein möchtest, dich in den hinteren Reihen verstecken möchtest oder dir die Kraft fehlt zum lauten Singen: absolut kein Problem. Hauptsache, du bist auf irgendeine Weise anwesend. Auch wenn du nur als Teil der Abonnentenzahl auftauchst, ist dem Thema geholfen.

Leseproben aus den Büchern und neue Ideen im Entstehen bringt Dir hin und wieder die digitale Brieftaube.

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Von Thorben Sonnestrant

Zuhörer, Aufschreiber, Bildermacher