Gendern & Co. – Teil 2: Von #MeToo und Krankenhäuser sind Hurenhäuser

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Wer glaubt, Frauen mit Gendern mehr in den Blickpunkt rücken zu können – wie auch immer das in der Praxis Früchte tragen soll, der muss auch die dunklen Seiten beleuchten: neben der des Opfers auch die der Täterin.

Vater wider Willen

Nach dem Suizid meines einstigen Mitschülers Ulrich 2020 schrieb ich mit seiner Schwester, auch über den Zusammenhang zwischen Opfer sein und Täter werden, über die Rolle von Frauen dabei. Sie hatte sich mit dem Thema „Aus Opfern werden Täter“ selbst befasst und war überrascht, dass ich ihr problemlos folgen konnte. Laut ihr wollte Ulli nie Kinder. Er konnte sich nicht vorstellen, ein guter Vater werden zu können und hatte Angst, genau wie seiner zu werden.

Nach seinem Tod trauern zwei Kinder. Und ein zum Zeitpunkt des Suizids zwei Monate altes Baby wird seinen Vater – Ulli – nie kennenlernen. Drei Kinder, denen der Vater fehlt. Und wer realen Geschichten zuhört, der weiß: Sobald die ehrliche Zuneigung EINES Elternteils fehlt, hat das Wachstum eines gesunden Selbstbewusstseins kaum noch eine Chance. Aus ungesundem Selbstbewusstsein entstehen die Umwege zum Glück, die immer Wege ins Unglück sind und nicht zuletzt dafür sorgen, dass Hass entsteht und der Bedarf, andere kleinzuhalten – z.B. Frauen.

Wie konnten diese drei Kinder entstehen? Naja, ein Muskelprotz, beruflich Chirurg, die lassen nichts anbrennen – da ist doch alles klar, Mann!

Ullis Schwester erklärte es mir und schrieb: „Seine damalige Freundin bekam nach 17 Jahren Torschlusspanik. Das Thema Kind wurde zwischen ihnen immer mehr zum Druck- und Stressfaktor. Ich weiß, dass sie ohne Ulrichs Einverständnis die Pille abgesetzt hat. Vielleicht auch ohne sein Wissen. Ja, ich kann da wieder nur #MeToo sagen: Wir „armen“ Frauen. Wir haben es in der Hand, aber wir denken nicht – und das ist das Fatale für unsere eigenen Kinder – über den Tellerrand hinaus. Mein Bruder hatte diesen Weitblick – und fühlte sich verraten. Dann hatte er eine Affäre. Und er wollte bei seiner schwangeren Freundin bleiben. War hin- und hergerissen, wie so oft in seinem Leben. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen, die schwangere Freundin machte Schluss und er wurde wieder mal zum Buhmann erklärt. So habe ich es erlebt und mitbekommen. Aus der Affäre wurde dann seine Frau, mit der er sein zweites Kind hatte.

Krankenhäuser sind Hurenhäuser

Zum dritten Kind, wenige Monate alt: Ich möchte meinen Bruder in der Sache nicht in Schutz nehmen, aber auch diese Geschichte ist von mehreren Seiten zu beleuchten. Menschen machen es sich – gerade wenn sie selbst keine Erfahrungen mit Narzissmus gemacht haben – einfach. Stempel drauf und gut. Mein Bruder hat meiner Mutter oft erzählt, schon Jahre vorher, wie penetrant Arztkolleginnen und Krankenschwestern sein können: Die werfen sich dir an den Hals, die ziehen sich vor dir aus, ob du das willst oder nicht, das sind Schlangen. Und wenn du denen klar einen Korb gibst, musst du damit rechnen, dass sie Möglichkeiten haben, die Zusammenarbeit mit dir zu boykottieren. Krankenhäuser sind Hurenhäuser.

Ich bin auch nicht für die MeToo-Bewegung in ganzer Breite. Es gibt viele wirkliche Opfer, keine Frage, aber Frauen können Mistkrücken sein, die ganz genau wissen, was sie einsetzen müssen, um ans Ziel zu gelangen. Sichtbar wird es nur an wenigen Stellen wie zum Beispiel in Krankenhäusern oder, um bei MeToo zu bleiben, in der Filmbranche. Der viel größere Teil läuft subtil ab, aber genauso wirksam.“

Für mich war der „Krankenhäuser sind Hurenhäuser“-Teil der Nachricht von Ulrichs Schwester völliges Neuland und ich konnte damit nicht wirklich etwas anfangen. Ich schrieb meiner guten Freundin Hanna diesen Satz und erntete ein: „Das wusste ich schon 1997.“

Mein Erstaunen wurde nicht geringer und es legte sich auch nicht beim Lesen ihrer folgenden Zeilen: „Eine damalige Freundin von mir, damals Krankenschwester in einer Klinik in Heidelberg, sagte: Nirgendwo wird wohl so kreuz und quer gefickt wie unter Klinikpersonal. Ist ganz schlimm.
Antje sagte mir damals, Sex im Dienstzimmer sei normal. Und sie sagte mir damals, die Weiber seien untereinander wie Hyänen. Wehe, eine käme mit einem Arzt gut aus, dann wäre nicht nur Eifersucht angesagt, sondern auch unsäglicher Neid und Unterstellungen. Auch nackt unter dem weißen Kittel zu sein, sei keine Seltenheit. Intrigen ohne Ende. Jede habe die Einstellung, sich den besten Arzt angeln zu müssen. Und sie sagte mir, wie extrem sich deshalb die meisten eben aufbrezeln und morgens zu Hause ewig vor dem Spiegel stehen würden, sich parfümieren, als würden sie im Puff arbeiten. Konkurrenz müsse ausgestochen werden. Aber es gäbe halt auch genug Ärzte, denen das durchaus gefallen würde und die sich eine nach der anderen nehmen würden – was den Hass untereinander dann noch mehr schüre.“

Als nächstes fragte ich eine gute Freundin, deren Schwester im Krankenhaus arbeitet, allerdings als Reinigungskraft. Die Schwester hatte nie etwas erzählt, was den Spruch bestätigen würde. Mich beruhigte das etwas, denn nun sah es nicht mehr nach „Das ist überall so“ aus.

Dann sprach ich mit einer weiteren guten Freundin, deren Freund Ansgar Arzt ist und der viel im Krankenhaus unterwegs ist für Operationen. Als ich sie fragte, ob sie den Spruch „Krankenhäuser sind Hurenhäuser“ kennt, kam ein klares „Ja“. Ihr Freund hatte so einiges aus dem Klinikalltag berichtet und es ging in genau die gleiche Richtung, wie es Ulrichs Schwester und Hanna erzählt hatten: Es gäbe genug Ärzte, die sich auf Schwestern einlassen und die Schwestern seien scharf darauf, den besten Doc abzubekommen und täten viel dafür. Ansgar selbst halte sich da raus, weil es mehr Ärger bringen würde als „Vergnügen“. Dies sehe er an seinem Bruder, der in seiner Rolle als Klinik-Arzt nichts anbrennen lasse. Und sein Vater bezahlte lange Jahre den Unterhalt für ein, in einem Krankenhaus mit einer Schwester gezeugtes Kind.

Wenige Wochen später meldete sich Hanna noch einmal zum Thema. Ihre Tochter Constanze hatte eine Woche zuvor angefangen, im Rahmen eines Praktikums im Krankenhaus zu arbeiten, zunächst auf der Kardiologie, nun auf der Chirurgie. Die Tochter erzählte, wie widerlich es auf der Chirurgie zugehe. Auf der Kardio sei es deutlich menschlicher zugegangen. Viele Ärzte auf der Chirurgie seien grapschig, wobei es bisher gegenüber Constanze bei Oberarm-Tätscheln geblieben war. Einer der Chirurgen fehlte für einige Tage, weil seine Frau in den Wehen lag. Dann hieß es, er sei Vater geworden, alles sei gut verlaufen. Als Constanze erfuhr, um welchen Arzt es sich genau handelt, fiel sie aus allen Wolken: Diesen Chirurgen hatte sie als den bisher größten Grapscher wahrgenommen.

Als Hanna erzählen wollte, was ihr 1997 ihre Bekannte Antje aus dem Klinikalltag berichtet hatte, kam ihr die Tochter zuvor: Unter den Kolleginnen würde es immer heißen, man müsse sich einen Arzt aufreißen. Mindestens zwei Kolleginnen würden nur einen BH unter dem Kasack tragen, da sei sie sich sicher. Bei der Visite tauschten Ärzte mit manchen Schwestern Blicke aus, die klar machen würden, was Sache ist. Auch von Sex in einem Nebenraum war die Rede.

Nein, das alles ersetzt keine repräsentative Umfrage über den Klinikalltag und wie immer darf man auch hier nicht sämtliche Ärzte und Schwestern über einen Kamm scheren. Nur gilt auch hier wieder: Ein Blick hinter die Gardinen öffnet Augen für die Realität.

Über die Beteiligten kann man denken, was man mag. Doch auch hier wird wieder jeder Einzelne seine Gründe haben, warum man sich so feil bietet, warum man keiner Versuchung widerstehen kann und warum man seinen Status so ausnutzt. Und diese Gründe werden etwas mit den Umwegen zum Glück zu tun haben, die dank nie gesund gewachsenen Egos gegangen werden: Macht, Aufmerksamkeit, … Hormone und Duft erledigen den Rest.

Frauen durch die Bank als Opfer von Männern anzusehen und ihnen den Status des vernünftigeren und damit besseren Geschlechts zu verleihen, wird kein Problem auf dieser Welt lösen. Es wird nicht damit getan sein, Männer in Führungsebenen gegen Frauen auszutauschen. Entscheidend ist: ein gesundes Ego. Mindestens zwei Mütter von Ullis Kindern haben mit ihrem egoistischen Vorgehen dafür gesorgt, dass die nächste Generation wieder auf Umwege zum Glück gehen wird und wenn ein Junge dabei wäre, stünden die Chancen gut, dass er eines Tages Macht über eine Frau ausüben will.

Ist ja klar, dass das ein Mann so sieht

Wer nun glaubt, ich sei der typische weiße, alte Mann, der alles Neue ablehnt oder ich hätte ein Kindheitstrauma durch meine Mum und ich sei auf alle Frauen schlecht zu sprechen: Nein. Bei mir war es der Vater, der mich auf Umwege zum Glück schickte und ich hätte beste Gründe, mein eigenes Geschlecht auf die Anklagebank zu schicken. Meiner Mum könnte ich maximal vorwerfen, sich mit diesem Typen eingelassen zu haben, nur war sie halt dank ihrer bestimmenden Mum das typische Mauerblümchen, dass alles mit sich machen ließ. Bei ihrer Enkelin wiederholt sich die Geschichte aktuell, trotz 50, 60 Jahren Abstand und trotz all dem scheinbaren Dazulernen. Sie reitet die nächste Generation ins Verderben und wenn es ein Junge wird, dann stehen die Chancen gut, dass er eines Tages eine Frau so beschissen behandeln wird, wie mein Vater es mit meiner Mum gemacht hat oder wie es der Freund der Enkelin mit ihr vor allem in der Anfangszeit der Beziehung machte. Und kein Appell an die Vernunft kann sie dabei aufhalten.

Durch meine Kindheit habe ich eher ein Problem mit Männern. Männliche Kumpels hatte ich nie, mein Umfeld bestand und besteht immer aus Frauen und sie kamen ganz gut mit mir klar. Zur Beweisführung hier ein paar gesammelte Referenzen:

Manchmal hab ich schon das Gefühl, in einen Spiegel zu sehen, wenn wir uns unterhalten. Und das passiert immer wieder und an unterschiedlichen Stellen. Fast schon unheimlich. Und trotzdem schön …“ – Zitat meiner einstigen Muse (damals 34), mit der ich mich 8 Jahre fast ausschließlich schrieb und die ich nie getroffen habe. Sie trägt seit ihrer Kindheit einen „schwarzen Fleck“: Missbrauch.

Sorry das ich so direkt frage, aber es fällt mir so leicht mit dir zu reden, ebenso ist die Angst weg, die ich zum Anfang hatte. Du hast die richtigen Knöpfe bei mir gedrückt und dabei merke ich, dass sich gewisse Sachen in mir lösen, ohne dass mir das bewusst war. Damit meine ich: Nach der Trennung meines Mannes hatte ich ohne Diät abgenommen und das nicht gerade wenig. Und jetzt merke ich auch durch Aussagen anderer, dass ich etwas raus lasse, was sich körperlich wie auch mental positiv auswirkt.“ – Zitat von Wiebke, Mitte 40, die immer wieder von ihrer Mutter geschlagen worden war, einen Suizidversuch unternahm, welcher auf Druck der Familie verheimlicht werden musste und die länger mit einem prügelnden Ehemann lebte.

Du bist fast der Einzige, dem ich alles erzähle…Die Fragen stellen. Um Rat / Hilfe bitte. Und das länger wie nur 3 Monate oder so… Mein Kreis ist so klein, weil ich irgendwann nicht mehr mit Personen zurecht komme. Irgendwas stört mich dann und dann bin ich gestresst … Ende ist meistens dann der Kontaktabbruch.“ – Zitat von Sophie, damals 18, mit der ich mich knapp 4 Jahre ausschließlich schrieb, deren Familie sie mobbt, die starke depressive Phasen kennt, teils mit Angststörungen, sich zeitweise selbst verletzte, mindestens zwei Mal auf Balkon bzw. Brücke stand und von der ich nicht weiß, ob sie noch lebt.

Übrigens: Keine der Frauen in meinem Umfeld hält etwas vom Gendern, ihre Probleme sind ganz andere. Für sie gehört das Gendern in die gleiche Kategorie wie das Sich grün waschen all der Konzerne: Hauptsache, das Image stimmt. Dazu mehr in Teil 3. Wir lesen uns.

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Weiter zu Teil 3: Gendern & Co: Heiligenschein oder Scheinheiligkeit?

In 18 Stunden verstehst Du diese irre Welt.

Wer Menschen verstehen will, muss ihnen zuhören, sie beobachten, hinter die Fassade schauen: Warum heiraten wir? Sind Frauen von Natur aus gute Mütter? Was erlebt man bei der Partnersuche? Wem verdanken Elon Musk und Kanye West ihre Erfolge? Was treibt andere Prominente an – und was ist dein eigener Antrieb? Fallen psychische Erkrankungen vom Himmel? Warum steht jemand 5 Stunden unter der Dusche? Wieso glaubt Käpt´n Crazy, die Chinesen würden kommen? Sind Krankenhäuser tatsächlich Hurenhäuser? Warum verheimlicht eine 50-Jährige, dass ihr Vater soff?

Mit den Antworten auf diese Fragen wird unerklärliches Verhalten entzaubert. Kein Hashtag, kein Gendern und keine Kampagne wird diese Welt retten können. Erst wenn wir einsehen, wie wir ticken, kann sich etwas verändern. Komm mit auf eine Reise, die Dich verändern wird!

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Noch viel mehr Lesestoff findest Du hier:

Verrückt – Das Interview

Verrückt – Das Interview

Frage: Was muss passieren, damit diese Welt weniger verrückt ist? Antwort: Wir müssen zuhören lernen. Oder wir verbieten das Kinderkriegen.

#verrückt: Von Opfern und Tätern

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Jochen wäre fast ertrunken, der Vater zerrte ihn wieder ins Wasser. Opfer und Täter, weiß und schwarz. Doch ist es wirklich so einfach?

#MeineStimmeGegenIgnoranz

#MeineStimmegegenIgnoranz – leise Version
MeineStimmegegenIgnoranz – laute Version

1,9 Millionen unserer erwachsen gewordenen Kinder verlassen offiziell psychisch kaputt ihr Elternhaus – und es ist uns egal. 28% der Erwachsenen insgesamt gelten als psychisch erkrankt – und es ist kein Thema. Die Gründe für diese Zahlen erklären aber, was mit dieser Welt nicht stimmt. Deshalb braucht das Thema psychische Gesundheit endlich maximale Aufmerksamkeit. Ich wäre Dir wirklich dankbar, wenn Du mit auf die Pauke hauen würdest, denn allein packe ich es nicht. Auch wenn du „nur“ Teil des Chors sein möchtest, dich in den hinteren Reihen verstecken möchtest oder dir die Kraft fehlt zum lauten Singen: absolut kein Problem. Hauptsache, du bist auf irgendeine Weise anwesend. Auch wenn du nur als Teil der Abonnentenzahl auftauchst, ist dem Thema geholfen.

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Der Zuhörer

Jeder Mensch hat zwei Ohren. Nur was wir damit anfangen, ist recht unterschiedlich. Umso erleichternder ist es in Krisenzeiten, wenn du jemanden findest, der zuhören kann. In den letzten Jahren lernte ich, dass dies offenbar meine Superkraft ist. Diese biete ich Dir hier an.

Von Thorben Sonnestrant

Zuhörer, Aufschreiber, Bildermacher