Verrückt – #MeineStimmeGegenIgnoranz – Laute Version

Verrückt – #MeineStimmeGegenIgnoranz – Laute Version

Endlich!

Das Rezept gegen den Hass ist gefunden: eine Kampagne! Seit durch „Keine Macht den Drogen“ Alkohol, Zigaretten und illegale Rauschmittel aus unserem Leben verschwunden sind, wissen wir um den Erfolg von Appellen an die Vernunft. Nur noch 10,6 Millionen Deutsche haben offiziell ein Suchtproblem.(Quelle) Und heute sind wir viel klüger als in den 90er Jahren und haben ein neues, mächtiges Instrument hinzugewonnen: ein Hashtag! In PR-Agenturen sitzen schließlich schlaue Leute, die genau wissen, dass man Menschen mit Appellen an die Vernunft erreicht.

Plan B:

Wir könnten auch einfach mal den Kopf aus dem Arsch nehmen und schauen, wie Menschen wirklich ticken: Wie entsteht Sucht? Und wie entsteht Hass?

„Nicht alle Abhängigkeiten haben ihren Ursprung in Missbrauch oder Traumata, aber ich bin überzeugt, dass sie alle auf schmerzhafte Erfahrungen zurückgeführt werden können.“ Das sagt der kanadische Arzt Gabor Maté, der sich seit Jahrzehnten mit Sucht befasst und bezieht sich dabei auf die Kindheit.(Quelle) Wer also den Drogen ihre Macht entziehen will, muss damit im Kinderzimmer anfangen und die dort Aufwachsenden vor Schmerz beschützen.

Und wie entsteht Hass? Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der #DeineStimmeGegenHass-Kampagne hieß es dazu: „…“

Das Entsetzliche:

Nicht einmal die Frage wird ernsthaft gestellt! Klar, die sozialen Netzwerke sind schuld mit ihren Filterblasen und der einfachen Möglichkeit, sich radikalisieren zu können. Und Ende.

Wie will man aber ein Problem lösen, wenn man nicht einmal weiß, wo die Ursache liegt? Wie will man die Gesellschaft reparieren, wenn man gar nicht weiß, was genau kaputt ist?

Stattdessen werden die vorgefertigten, bereits tausendfach während Weihnachts-, Neujahrs-, Bundestags- oder Wahlkampfansprachen in Mikrofone verlesenen Worthülsen wiederholt, die in einen 1:30-Beitrag in der #Tagesschau oder #heute passen. Sätze wie die Folgenden, vorgetragen bei der Vorstellung der Kampagne: Es geht darum, an die Wurzel des Rassismus zu kommen. Wir brauchen gleiche Bildungschancen. Die Vielfalt muss anerkannt werden. Einheit durch Vielfalt. Wir dürfen dem rechten Terror nicht mehr schweigend gegenüberstehen. Der Anstand muss lauter sein als der Hass. Die Aufklärung über unsere Geschichte ist wichtig. Unsere Gesellschaft muss wie die Tür der Synagoge von Halle sein.

Unsere Gesellschaft ist nicht wie die Tür von Halle, aber unsere Köpfe sind es offenbar: aus massivem Holz. Ja, Aufklärung über unsere Geschichte wäre wichtig. Doch schon Gandhi sagte:

„Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

Warum ist das so? Weil wir der Geschichte nicht zuhören. Nicht der großen Weltgeschichte, nicht den Geschichten derer, die einen fassungslos machen. Denn sonst würden wir verstehen, was einen Menschen wie Hitler verbindet mit Serienmördern. Wir würden verstehen, was sie mit Kinderschändern verbindet. Mit Sätzen wie „Nazis darf man hassen“, „Hängt die Mörder!“ oder „Schneidet ihm den Schwanz ab!“ kann man ordentlich Dampf ablassen. Doch mit Wut wird man zukünftigen Opfern ihr Leiden nicht ersparen, genauso wenig wie mit härteren Strafen oder Appellen an Menschlichkeit, Mitgefühl oder gar die Vernunft.

Also was tun!?

Statt an der Planung von Kampagnen zu sitzen, die wieder nichts zum Positiven verändern werden, könnten wir aus den Geschichten der Täter lernen: Warum konnten diese Menschen so kalt sein? Warum empfanden sie kein Mitgefühl? Warum mussten sie andere erniedrigen, sich über sie stellen? Warum mussten sie hassen?

Hitler kam nicht mit ausgestrecktem Arm und Bärtchen über der Oberlippe zur Welt, genauso wie heute kein Baby als Neonazi, Populist, Rassist oder Internettroll geboren wird. Und wer nun reflexartig aufschreit, dass man Hitler um Himmels Willen nicht mit einem Internettroll auf eine Stufe stellen darf, dem sei der Hashtag #MeineStimmeGegenIgnoranz gewidmet.

Doch wir hören den Geschichten nicht zu.

Und wenn doch, dann gefällt uns deren Moral nicht und deshalb wollen wir sie nicht wahrhaben. Kinderschänder sind doch alles Phädophile!!! Falsch. Über 50% der sexuellen Übergriffe gegenüber Kindern werden von nicht-pädophilen Menschen begangen. Das Hauptmotiv dieser Täter ist das Ausüben von Macht und das Spüren von Überlegenheit.(Quelle) Warum müssen erwachsene Menschen an Babys, Kleinkindern und Teenagern Macht demonstrieren? Würde man den Geschichten der Täter zuhören, wäre klar: Weil sie sich unter ihrem Vater und/oder ihrer Mutter winzig gefühlt haben, selbst erniedrigt wurden.

Aber bloß nicht darüber nachdenken!

Denn sonst müssten wir uns eingestehen, dass auch die grausamsten Täter einst Opfer waren und wir wollen sie doch bitteschön in schwarz-weiß sehen! Genauso wie den Mörder jeden Sonntagabend im #Tatort. Würden wir dem Täter eine ähnliche Kindheitsgeschichte verpassen wie all den echten Serienmördern, dann müssten wir am Ende noch einräumen, dass auch der blutrünstige Killer einst Opfer war und wir wüssten nicht mehr, was wir empfinden sollen: Hass oder Mitgefühl?!

Nein, diese Moral der Geschichte passt uns nicht.

Genauso wenig wie die des Massenmörders von Hanau. Er war eben ein Rechtsextremist und nur nebenbei psychisch krank. Wir dürfen seine Erkrankung nicht für das Blutbad als Begründung nehmen. Hätte sich der Täter auf den Islam berufen wie jener von Wien und man hätte die Psychosen als Ursache benannt, dann hätte es am Stammtisch geheißen: „Ja ja, jetzt machen die gleichgeschalteten Staatsmedien auf unzurechnungsfähig, damit diese Moslems fein raus sind …“

So schiebt man es sich immer schön zurecht, wie es einem gerade nützt, ob links oder rechts. Und schon kann man wieder über die angebliche Spaltung der Gesellschaft jammern und an Vernunft und Mitgefühl appellieren.

Warum fragt keiner, woher die Wahnvorstellungen des Mannes kamen? Woher kommen überhaupt psychische Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen?

Lesen bildet!

Zum Entstehen dieser Erkrankungen und Störungen gibt es eine gigantische Bibliothek voller Geschichten, die endlich zugekniffene Augen öffnen könnten. Doch wir hören ihnen nicht zu. Noch schlimmer: Wir ignorieren sie. 1,9 Millionen junge Leute verlassen psychisch kaputt ihr Elternhaus(Quelle) – doch kein einziges Wort darüber in Wahlkämpfen. EINE MILLION NEUNHUNDERTTAUSEND unserer Kinder sind uns so was von egal. Durchsuche die Reden bei der letzten #Generaldebatte im #Bundestag nach dem Thema und du wirst nichts finden zwischen #Wirtschaftswachstum, Bewahrung des #Wohlstandes, #Klimawandel, #Corona und #5G. Nichts. Stattdessen werden 20-Jährige aus der geschlossenen Psychiatrie zurück ins Leben entlassen, wo sie mit ihren Suizidgedanken wieder allein sein können. 1,9 Millionen unserer Kinder gehen uns am Arsch vorbei. 26% aller 18- bis 25-Jährigen. Um es mit #GretaThunberg zu sagen:

„Wie könnt ihr nur?!“

Wenn 26% der Deutschen eine populistische Partei wählen, gibt es kein anderes Thema mehr, von #Maischberger über #HartaberFair bis #AnneWill. 26% scheinen also eine Menge zu sein, die man nicht ignorieren kann. Doch wenn 26% unserer gerade erwachsen gewordenen Kinder mit Depressionen, Angststörungen, Panikattacken usw. das Elternhaus verlassen, dann herrscht Schweigen. Warum fragt keiner, weshalb sie kaputt sind? Warum will keiner wissen, was sie kaputt gemacht hat? #MeineStimmeGegenIgnoranz

Aber klar:

Facebook und Instagram sind daran schuld!

Und fertig. Wieder betrachten wir Menschen aus riesiger Entfernung, sehen sie als einheitliche, graue Masse, anstatt mit einem Mikroskop hinzuschauen auf jeden Einzelnen. Dazu fehlt uns einfach die Zeit und die Geduld. Die Geschichten passen dummerweise auch nicht in 280 Zeichen oder in einen 1:30-Beitrag. „Erzähl fix, was los ist mit dir, aber mach es bitte kurz.“

Dabei könnten wir verdammt viel lernen, wenn wir den Geschichten unserer Kinder zuhören würden, ohne sie zu unterbrechen oder ihre Erzählungen in Zweifel zu ziehen. Gleiches gilt für die Geschichten der insgesamt 18 Mio. offiziell psychisch erkrankten Erwachsenen. Doch auch sie sind kein Thema. Und wer glaubt, der „Rest“ sei durch die Bank psychisch gesund, der sollte hinter die Gardinen schauen.

Was wäre die Moral all dieser Geschichten?

Die Moral lautet: Es gibt keine Spaltung der Gesellschaft, sondern etwas sehr Verbindendes: Kinder wachsen mit Vernachlässigung, Demütigung, Gewalt, Missbrauch auf. Oder sie werden im goldenen Käfig groß. Oder die Eltern leben vor, dass man nur jemand ist, wenn man bis zum Umfallen arbeitet, Einfluss hat. Das Ego ist durch all das entweder nie gewachsen oder wurde narzisstisch grandios. Psychische Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sind die Folge und sowohl in Plattenbau, Reihenhaus und Villa zu finden.

Mit einem ungesunden Ego zerstichst du entweder die Reifen des Krankenwagens, der dir im Weg steht und pfeift darauf, ob da jemand stirbt, greifst Schiedsrichter, Polizisten, Lehrer, Zugpersonal und Feuerwehrleute an. Oder mit dir kann man einfach nicht diskutieren, weil dein Ego jeden Kompromiss als Niederlage sehen würde. Oder wirst Präsident der USA. Oder du suchst nach anderen Umwegen, um deinem Ego Leben einzuhauchen: Du ziehst regelmäßig blank bei Instagram, saugst die Likes auf, wirst Influencer. Du kannst keinen Monat Single sein, weil du die „Ich liebe dich“-Sprüche brauchst, so durchschaubar sie auch sein mögen. Du veröffentlichst Gaffer-Videos und bist stolz auf die Zahl derer, die sich die Bilder anschauen. Du verschickst Morddrohungen, demütigst andere, wendest Gewalt an, missbrauchst Kinder, willst die Welt beherrschen, läufst Amok durch Schulen oder ganze Städte. Oder du musst jedem helfen, gibst dein letztes Hemd. Oder du gehst in die Politik oder in den Journalismus, angeblich weil du etwas bewegen willst, aber auch dir geht es letztlich um Einfluss und Macht. Du saugst Verschwörungsmythen auf, weil DU die Wahrheit kennst im Gegensatz zu all den blinden Schafen, die der Herde folgen – DU bist besser als alle anderen.

Und/oder du hasst:

Ausländer, Deutsche, Juden, Muslime, Christen, Politiker, Journalisten, Karrikaturisten, Schwule, Frauen, Blondinen, Schwarze, Weiße, Gutmenschen, Schlechtmenschen, Millionäre, Hartz-IV-Empfänger, Radfahrer, Autofahrer, Schalke-, Dortmund- oder Bayernfans …

Aus Opfern werden Täter. Wer keine Täter will, muss neue Opfer verhindern. Wer dafür sorgt, dass Kinder mit Zuneigung durch die Eltern aufwachsen, braucht später weder ein Hashtag #DeineStimmeGegenHass noch Kampagnen wie „Keine Macht den Drogen“. Die Wiegen von Hass und Abhängigkeit stehen im gleichen Raum: dem Kinderzimmer. Keiner unserer Special Effects kommt aus dem Nichts, jeder ist der Donner nach dem Einschlag. DAS ist die Moral der Geschichten.

Doch was machen wir?

Statt zu überlegen, wie man ohne Dauerüberwachung der Familien Kindern ein Aufwachsen in einem das Selbstbewusstsein fördernden Elternhaus ermöglicht, macht man mit den Selbstbewusstseinslosen Geschäfte. Sie fressen im #Dschungelcamp Würmer im Glauben, dies würde ihnen durch viel Aufmerksamkeit das Ego streicheln oder die Welt habe nur auf ihren Auftritt gewartet. Sie werden von #HeidiKlum und anderen vorgeführt, damit diese „Geschäftsleute“ selbst ihr Ego füttern können über Erfolg. Die Kaputten gehen in Container oder Sommerhäuser, zerfleischen ihre Beziehungen in aller Öffentlichkeit, lassen sich Rosen überreichen, bezeichnen sich gegenseitig als krank. Sie werden zu Prominenten aufgebaut, um sie dann als Promis bezeichnen zu können und mit ihnen einen ganz eigenen Industriezweig gründen zu können.

Alles haltlose Behauptungen?

Der Schweizer Psychologe Thomas Spielmann war an der Auswahl der Kandidaten für die ersten Staffeln „Big Brother“ in seiner Heimat beteiligt. Unter den Bewerbern bemerkte er eine große Gruppe von Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein. Sie glaubten, mit Ruhm würden sich all ihre Probleme lösen und sie könnten ihren Selbstwert steigern. Die zweite große Gruppe bestand laut Spielmann aus Personen mit narzisstischen Zügen. Diese glaubten, dass die Welt nur auf sie gewartet habe. Am kleinsten war die Gruppe derer, die stabil erschienen. Produzenten machten massiv Druck, manipulierbare Menschen zu nehmen, damit es Sex, Streit, Intrigen und Zusammenbrüche gibt(Quelle) – all das, was den Zuschauer in den Bann zieht wie ein Zeppelin-Absturz.

Dafür sind aber Menschen mit stabiler Psyche die falschen, denn bei ihnen gehen Kompromisse im Streit nicht ans Ego, so dass sie nicht ausrasten müssen bei Konflikten. Der Unterhaltungswert der psychisch Labilen ist einfach viel größer und damit auch die Quote und Werbeeinnahmen. Psychische Erkrankungen und Störungen sind praktisch immer Folge einer miesen Kindheit. Macher solcher Sendungen nutzen also aus, dass Menschen in ihrer Kindheit und Jugend Schlimmes durchgemacht haben und dabei kaputtgingen.

Also, liebe Privatsender:

Wenn euch tatsächlich etwas am Kampf gegen Hass liegt, dann vergesst die Ausstrahlung von Spots der Kampagne und lasst all eure Z-Promis ihre Geschichten erzählen, warum sie so sehr ins Rampenlicht wollen und alles dafür tun. Schmeißt jene Sendungen aus dem Programm, die schwache und narzisstische Egos ausnutzen und interviewt in dieser Zeit ganz nüchtern all jene, die ihr bisher ausgenutzt habt.

Und liebe Öffentlich-Rechtlichen:

Solange fast 20% der Deutschen glauben, man bekomme Depressionen mit Schokolade und Zusammenreißen in den Griff,(Quelle) haben #FlorianSilbereisen, #HeleneFischer und #RosamundePilcher nichts an den Samstagabenden bei euch zu suchen. Nicht bei Millionen von Menschen, die an ihrem ahnungslosen Umfeld verzweifeln. Gebt den Kitsch-Produzenten die 30 Minuten, die ihr jetzt für #Quarks am Samstagmittag und #LeschsKosmos Dienstag nach dem Schlafengehen übrig habt und überlasst den Wissensvermittlern die besten Sendezeiten.

Oder lasst in diesen Zeiten Täter ihre Geschichte erzählen, ohne Anklage. Wenn euch wirklich etwas am Kampf gegen Hass liegt, dann zückt auch die Waffen, über die ihr verfügt.

Ob Medienmacher, Journalisten oder Politiker:

Wacht endlich auf, bevor der nächste Diktator uns alle aufweckt. Wenn wir nicht einmal in Zeiten eines Donald Trump über Narzissmus und andere Persönlichkeitsstörungen sprechen und aufklären konnten, wann dann?! Wie nah wollt ihr noch Demokratien mit verbundenen Augen an den Abgrund laufen lassen? Reicht euch immer noch nicht, was sich in den USA nach den Wahlen abspielt? Wollen wir es China echt so einfach machen?!

Startet die Aktion #MeineStimmeGegenIgnoranz und nutzt eure Möglichkeiten endlich sinnvoll, die ihr durch eure Bekanntheit und Reichweite in den Händen haltet. Hört verdammt nochmal auf, psychische Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen zu ignorieren. Denn damit ignoriert ihr, was hinter den Gardinen schiefläuft und zu all den Dingen führt, die heftiges Kopfschütteln auslösen und die ihr mit Appellen an die Vernunft oder härteren Gesetzen in den Griff zu bekommen glaubt. Das wird genauso wenig funktionieren wie „Keine Macht den Drogen“.

100% der psychisch Erkrankten tragen Wut in sich laut Psychologen. Und nein, die Erkrankten sollen nicht zum Sündenbock erklärt werden, denn damit würde ich mich mit auf die Anklagebank setzen. Aus den Geschichten müssen wir lernen, wie all unsere Meisen geboren werden – und damit auch die Entstehung von Hass:

Es geht (fast) IMMER um unser Ego.

Was immer wir machen, soll unseren Selbstwert wachsen lassen. Wir helfen anderen nicht aus Nächstenliebe, sondern weil wir uns dabei selbst besser fühlen, unser Ego aufwerten. Auch ich hätte dies alles hier nicht geschrieben, wenn mein Unterbewusstsein nicht viel Beifall von Tausenden Schattenkindern erwarten würde. Wir bringen niemanden zum Lachen aus Selbstlosigkeit, weder den Menschen an unserer Seite noch als #DieterNuhr oder von mir aus #MarioBarth Tausende Leute in einem Stadion, sondern weil wir das Lachen als Schulterklopfer empfinden für unser Ego. Genauso wenig singen Künstler von #RolandKaiser bis #ToteHosen und #DieÄrzte, damit sich andere unterhalten fühlen, sondern weil der Beifall das Ego streichelt.
Und wir hassen nicht einfach so, sondern weil wir unser Ego aufwerten wollen. Solange gesundes Selbstbewusstsein so rar ist wie Klopapier und Trockenhefe in den Hoch-Zeiten von Corona, wird sich nichts zum Besseren wenden können, auch nicht mit dem ausgeklügeltsten Hashtag der Welt. Lasst uns verdammt nochmal anfangen, aus der Geschichte zu lernen.

Aber wir können doch jetzt nicht noch ein Thema aufmachen!

Wer diese Welt noch irgendwie retten will, der MUSS psychische Gesundheit und gesunde Egos zum Hauptthema machen, denn sie sind der Schlüssel zu all dem, was schiefläuft.
Das Kümmern um psychische Gesundheit ist Umwelt- und Naturschutz: Wen ich mit einem gesunden Ego groß werde, muss ich nicht auf Teufel komm raus die Wälder in Schweden plätten für meine Produkte, denn dann baue ich keinen riesigen Konzern auf ohne Rücksicht auf Verluste. Dann muss ich auch nicht in Werbespots erklären, dass wir nur diesen einen Planeten haben, nachdem ich diesen jahrelang die Bäume aus dem Boden gerissen habe für meine Möbel. Mit einem gesunden Ego lasse ich auch nicht den Regenwald Hektar um Hektar abbrennen und zeige der Welt den Stinkefinger.
Und damit ist das Kümmern um die psychische Gesundheit und gesunde Egos eben auch Klimaschutz. Wenn das in der Kindheit nicht gesund entwickelte Ego Geld und Macht braucht, um sich gut zu fühlen, dann sind mir die kommenden Generationen scheißegal. Wenn es sein muss, streiche ich meinen Konzern halt grün an, damit ich mein Zeug weiterhin verkaufen kann. Warum soll ich plötzlich Mitleid haben mit dem Planeten, wenn mir Geld und Macht bisher alles bedeutet haben?! Weil Menschen aus Fehlern lernen?!
Das Kümmern um psychische Gesundheit ist auch Gesundheitsvorsorge insgesamt. Es ist die beste Waffe gegen Drogen und es beugt Erkrankungen bei jenen vor, die z.B. unter einem Narzissten zugrunde gehen, sowohl Partner als auch Kinder.
Das Kümmern um psychische Gesundheit ist Gewaltprävention. Wenn Menschen ein gesundes Ego aus der Kindheit mitnehmen können, brauchen sie keine Macht demonstrieren an Kindern oder Partnern, weder durch Schläge, Macht“spiele“ und auch nicht durch Missbrauch.
Das Kümmern um psychische Gesundheit ist auch die beste Waffe im Kampf gegen soziale Ungleichheit und für den Erhalt der Demokratie. Wenn mein Ego nie genug bekommt an Geld und Macht, dann wehre ich mich eben mit meinem Weltkonzern gegen den Einfluss von Gewerkschaften und mir geht es am Arsch vorbei, wenn mein Black Friday sabotiert werden soll. Nachgeben ist keine Option, irgendwer wird schon für den Lohn arbeiten, den ich für richtig halte. Dass die Ungleichheit zwischen Arm und Reich die Leute mit der Zeit auf die Barrikaden treiben kann, ist mir genauso Wurscht, solange sie bei mir kaufen. Warum sollte mir Demokratie am Herzen liegen, wenn ich schon selbst so unglaublich systemrelevant geworden bin?!
Ungesunde Egos richten einen gigantischen wirtschaftlichen Schaden an, ob durch Umweltzerstörung oder Zerstörung anderer Menschen – oder durch Selbstzerstörung mittels Drogen oder auf anderen Wegen. Soziale Berufe können einen Beitrag leisten, Fehlentwicklungen bei Kindern aufzufangen. Wer sie als notwendiges Übel betrachtet, Erzieher, Lehrer, Logopäden, Ergotherapeuten usw. als Zitronen bis zum letzten Tropfen ausquetscht durch Überlastung, der übergibt die Folgekosten an die nächsten Generationen. Doch den Löwenanteil bei der Entwicklung von gesunden Egos tragen die Eltern. Sie selbst brauchen gesundes Selbstbewusstsein, um es an den Nachwuchs weitergeben zu können.

Der verrückte Professor

In jedem Katastrophenfilm gibt es ihn: den Wissenschaftler, der aus seinem einsamen Labor am Arsch der Welt zu den Stadtbewohnern gerannt kommt und sie warnt: entweder vor der 40 Meter hohen Flutwelle, dem Erdbeben der Stärke 12,3 oder dem Angriff des Kindes von Godzilla und King Kong. Für seine Warnung erntet er Gelächter, Ignoranz oder „Wir können jetzt nicht die ganze Stadt evakuieren, das würde uns viel Geld kosten!“ Jeder Kinobesucher weiß, was danach kommt.
Jahrzehntelang haben die verrückten Wissenschaftler vor der großen Katastrophe namens Klimawandel mit stichhaltigen Fakten gewarnt. Nicht im Film, sondern im Leben vor der Leinwand. Sie ernteten Ignoranz und „Können wir uns nicht leisten“-Sprüche. Wie die Handlung weitergeht – wer weiß das schon … In den Katastrophenfilmen vereint sich am Ende immer ein zerrüttetes Paar – Happy End! (Auch wenn ansonsten alles drumherum in Trümmern liegt dank King Kong Godzilla.)
Wer diesen Text hier belächeln oder ignorieren möchte oder mit einem „Ach, sicher alles halb so wild“ kommentieren will: kein Problem. Dieser Planet kommt viel besser ohne Menschen aus und je eher wir uns endgültig die Köpfe einschlagen, umso schneller kann Mutter Erde mit der Regeneration anfangen. Eigentlich hat sie uns ein verdammt schönes Geschenk gemacht. Das Leben auf und mit ihr könnten wir genießen, doch wir machen es uns einfach nur schwer, nicht zuletzt durch Ignoranz. Die Alternative für diese Welt lautet deshalb: Entweder wir kommen JETZT aus dem Arsch oder wir sind demnächst in selbigem.

PS

Mir ist klar, dass der Ton in dieser Version meines Aufschreis rau ist. Aber mit ruhig vorgetragenen Argumenten bekommt man weniger Aufmerksamkeit als mit verbalen Amokläufen. Die diplomatische Version gibt es hier.

Quellen

  • https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/154e18a8cebe41667ae22665162be21ad726e8b8/Factsheet_Psychiatrie.pdf
  • https://www.focus.de/familie/eltern/familie-heute/drogensucht-die-wahre-ursache-von-sucht-geht-auf-diese-6-erlebnisse-aus-der-kindheit-zurueck_id_9162061.html
  • https://www.instagram.com/p/B8dnPC-I5ss/
  • https://www.barmer.de/blob/144354/4b9c44d83dc8e307aef527d981a4beeb/data/dl-pressemappe-barmer-arztreport2018.pdf Seite 14
  • https://web.de/magazine/panorama/psychische-probleme-reality-tv-suizid-bringt-quote-34459074
  • https://www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/deutschland-barometer-depression