Der Stein vor mir.

Der Stein vor mir.

22. November 2020 Aus Von Thorben Sonnestrant

Vor mir liegt ein Stein. Kein kleiner Kiesel. Schlau werde ich nicht aus ihm. Seit Jahren schiebe ich den Brocken vor mir her. Inzwischen ist er schwerer geworden – oder bin ich heute schwächer? Das Schieben frisst Kraft und ich habe nach Wegen gesucht, ihn aus dem Weg rollen zu können. Doch noch immer liegt er da, bremst und ermüdet mich.

Oder schützt er mich? Ist er mein Schild, an dem all die Pfeile zerschmettern konnten und nur die Splitter konnten ihre Spuren hinterlassen? Würden ohne dem Stein die Narben viel größer sein? Hätten mich die Wunden längst zum Erliegen gebracht? Könnte ich ohne den großen Stein keinen noch so kleinen Stein mehr bewegen? Brauche ich ihn, um wenigstens im Schneckentempo vorwärtskommen zu können? Soll ich ihn als Wegbegleiter akzeptieren? In einer Welt, in der du mit einem Stein, der vor dir liegt, schnell abgehängt bist?