Ich bin tot.

Ich hab´s geschafft: Ich bin tot.

Einfach himmlisch.

Nein, ich bin nicht auf irgendeiner Wolke. Ich bin auf einer Wiese gelandet, gleich neben dem Waldrand. Kurz nach meinem Aufprall schreckte ein Reh vor mir hoch – vielleicht fünf Meter entfernt – und rannte weg. Selbst im Himmel sind diese Tiere also scheu. Schade, aber nicht zu ändern. Es sieht deutlich lebendiger aus, als ich mir den Himmel vorgestellt hatte. Die Wiese ist riesig, unendliche Freiheit. Für mich. Freiheit! Endlich. Ich brauche mir keine Gedanken mehr über steigende Beiträge meiner privaten Krankenkasse machen, wie ich die Miete stemme, woher das Geld fürs Kühlschrankfüllen kommt! Spitze. Und ich kann nun die Bücher schreiben, die ich schreiben will – muss nur noch Papier finden. Keine Zielgruppen mehr. Nicht mehr überlegen müssen, was gerade angesagt ist. Ich muss mir keinen hundertsten Abklatsch von Shades of Grey aus den Rippen leiern, um die Erfolgschance für guten Absatz zu steigern. Ich muss keinen exzentrischen Rockstar von einem unbedarften Mauerblümchen zähmen lassen, weil er eigentlich gar nichts von Sex, Drugs und Rock´n´Roll wissen will, sondern ganz brav sein will. Okay, von Sex will er schon was wissen. Das Mauerblümchen will ja auch gepflückt werden. Ich brauche keinen Krimi schreiben, der keinen Humor hat, nur weil aktuell keiner Krimis mit Humor lesen will.

Ja, ich kann von nun an schreiben, was ich will. Ich war nie zum Tennisprofi geboren, hatte nicht die Gene mitbekommen, um ein erfolgreicher Geschäftsmann zu werden, war zu wenig selbstbewusst, um mich gegen andere durchsetzen zu wollen. Wären Worte die allseits gültige Währung in der alten Welt gewesen, dann hätte ich vielleicht in einer Villa gewohnt anstatt Menschen, die mit ihren Erfindungen dick machen. Hätte ich in einer Villa wohnen wollen? Nicht wirklich. Die wenigsten Schreiberlinge in der Geschichte taten dies. Sie gingen in die Geschichte ein. Und sie gingen mit ihren Geschichten ein. Herman Melville erlebte den Verkauf von 3000 Exemplaren von Moby Dick. Schreiben ist eine gute Voraussetzung für Altersarmut. 3% der Autoren können von ihrer Arbeit leben. Klar, man könnte sich auch einen vernünftigen Job suchen. Oder man könnte einfach auch Bücher schreiben, die alle schreiben. So nach dem Modern-Talking-Prinzip. Oder David Guetta. Oder wie es Volksmusiker und Schlagersänger machen.

Warum machen es sich Schreiberlinge auch so schwer?! Schreiben, was einem auf dem lebenslang gebrochenen Herzen liegt?! Wozu? Das kannst du bei jener machen, die du dich nicht anzusprechen traust. Jede Frau findet es doch romantisch und toll, wenn er sie  mit Worten umgarnt und wünscht sich einen Mann, der dasselbe für sie tut. Okay, er muss natürlich auch Milliardär mit Peitschenschrank sein.

Jede? Alle? Zu sehr verallgemeinert? Richtig. Man kann das Leben nicht verallgemeinern. Jeder bekommt seine eigenen Gene und das Leben, das ihn formt: den einen zum Google-Chef, den anderen zum Erzieher, den nächsten zum Schriftsteller. Zwei von ihnen werden selten reich – und wollen eigentlich genau das tun, was sie tun. So wie Altenpfleger, Krankenschwestern usw. Sollten sich nun alle vernünftigere Berufe suchen? Wäre eine Idee. Die Alten und Kranken kommen schon zurecht.

Moment. Im Jenseits gibt’s keine Traktoren, oder? Einer mäht jetzt die Wiese hier. Könnte bitte jemand einen Theologen fragen? Hmm, sieht so aus, als würde ich doch noch leben. Schöner Mist. Dann gehe ich halt doch wieder nach Hause und schreibe. Lass mich überlegen … Den Rockstar nenne ich Brian. Oder Mike. Mike geht immer. Und das kleine Häschen ist Mary …

Weitere Tagebuchseiten, in die Du gern reinschauen darfst:

  • Brief an Dich
    Du trägst mich auf deinen Schultern durch gute und schlechte Zeiten. Wir haben keine Liebesbeziehung, sind eine Zweckgemeinschaft mit gewissen Vorzügen.
  • Ein Witz
    In mitten des Ozeans sinkt nach heftigen Stürmen ein Boot ganz langsam. Der Mann darin ist erschöpft, er bekommt den Kahn einfach nicht mehr leer, so sehr er sich bemüht. Ein zweites Boot nähert sich, der Mann schöpft Hoffnung – Rettung in Sicht nach langer Zeit. Der andere Mann kommt immer näher, grüßt kurz, schaut: „Ich bin Tischler. Das Holz sieht noch richtig gut aus.“ Der Untergehende seufzt: „Und dennoch sinke ich.“ Der Tischler schaut noch einmal: „Hmm. Also am Holz kann es nicht liegen.“ Dann greift er in seine Ruder und verschwindet langsam im Nebel. Drei Tage später taucht… Ein Witz weiterlesen
  • Über Tote sagt man nichts Schlechtes
    Über Tote sagt man nichts Schlechtes. Wenn dir also nichts Positives einfällt, dann musst du schweigen. Doch jedes Leben erzählt eine Geschichte.
  • Die immer gleiche Geschichte
    Du weißt, wie wahre Liebesgeschichten beginnen. Dies sind einige von ihnen.
  • Das kleine Mädchen und die Scherben
    Würdest du das kleine Mädchen, das du einst warst, vor all den Scherben bewahren, durch das es laufen musste? Nein.
  • #verrückt: Mein Ruheplätzchen
    Stille ist Luxus. Im Wald kannst du sie finden, kannst nackt herumrennen. Doch nun weicht die Stille der Sprachlosigkeit.
  • Der Stein vor mir.
    Vor mir liegt ein Stein. Kein kleiner Kiesel. Er lässt mich nicht vorwärts kommen – oder schützt er mich?
  • Mein liebes Leben
    Wir hatten es selten leicht miteinander, du und ich. Von Liebesbeziehung konnte kaum die Rede sein, mein liebes Leben.
  • Hör auf mit dem Scheiß
    Wenn dein Ego nie wachsen konnte, ist es dir eben egal, wie ehrlich ein „Ich liebe dich“ ist. Hauptsache, du bekommst es zu hören.
  • Von Worten und Narben
    „Die langen Ärmel ihrer Bluse rutschten nach unten, als sie in ihrer Freude die Hände noch oben riss. Er sah ihre Narben am Handgelenk …“ – Wie geht es wohl weiter?

Der Zuhörer

Jeder Mensch hat zwei Ohren. Nur was wir damit anfangen, ist recht unterschiedlich. Umso erleichternder ist es in Krisenzeiten, wenn du jemanden findest, der zuhören kann. In den letzten Jahren lernte ich, dass dies offenbar meine Superkraft ist. Diese biete ich Dir hier an.

In 18 Stunden verstehst Du diese irre Welt.

Wer Menschen verstehen will, muss ihnen zuhören, sie beobachten, hinter die Fassade schauen: Warum heiraten wir? Sind Frauen von Natur aus gute Mütter? Was erlebt man bei der Partnersuche? Wem verdanken Elon Musk und Kanye West ihre Erfolge? Was treibt andere Prominente an – und was ist dein eigener Antrieb? Fallen psychische Erkrankungen vom Himmel? Warum steht jemand 5 Stunden unter der Dusche? Wieso glaubt Käpt´n Crazy, die Chinesen würden kommen? Sind Krankenhäuser tatsächlich Hurenhäuser? Warum verheimlicht eine 50-Jährige, dass ihr Vater soff?

Mit den Antworten auf diese Fragen wird unerklärliches Verhalten entzaubert. Kein Hashtag, kein Gendern und keine Kampagne wird diese Welt retten können. Erst wenn wir einsehen, wie wir ticken, kann sich etwas verändern. Komm mit auf eine Reise, die Dich verändern wird!

Das Buch gibt es bei bod.de, Du kannst aber auch beim Buchhändler um die Ecke danach fragen.

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Von Thorben Sonnestrant

Zuhörer, Aufschreiber, Bildermacher

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